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29.03.2026 · 7 Min. Lesezeit · Von Danilo à Tellinghusen

Immobilien-News KW 13 – BGH-Urteile, Zinsen & Neubaukrise

Zinsen Markt Politik Wirtschaft Energie Neubau

Immo-News der Woche | 23.–29. März 2026

Die letzte März-Woche 2026 hat gezeigt, dass der deutsche Immobilienmarkt in einem echten Spannungsfeld steckt: Moderat steigende Preise treffen auf kollabierenden Neubau, stabile Zinsen auf geopolitische Unsicherheit, und neue Rechtsprechung auf unvorbereitete Makler. Wer diese Woche die wichtigsten Signale verpasst, läuft blind in Kundengespräche. Hier ist das, was Du als Makler wirklich wissen musst.


🏦 Zinsen & Finanzierung

Die EZB hat am 19. März 2026 die Leitzinsen unverändert gelassen: Hauptrefinanzierungssatz bei 2,15 %, Einlagenfazilität bei 2,00 %, Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 2,40 %. Auf den ersten Blick klingt das nach Stabilität — aber dahinter steckt eine wichtige Botschaft für Deine Finanzierungsgespräche.

Die EZB-Experten haben die Inflationsprognose für 2026 nach oben revidiert: 2,6 % statt der ursprünglichen Dezember-Prognose, getrieben durch steigende Energiepreise infolge der Eskalation im Nahen Osten. Das ist keine abstrakte Zahl. Sie erklärt, warum Baufinanzierungszinsen trotz EZB-Pause unter Aufwärtsdruck bleiben. Der effektive Topzins für 10-jährige Baudarlehen lag Anfang März bei rund 3,35 % — verglichen mit 3,26 % im Januar 2025, also ein leichter Anstieg von etwa 9 Basispunkten im Jahresvergleich. Für das erste Halbjahr 2026 prognostiziert das Dr. Klein Expertenpanel einen Korridor von 3,1 bis 3,7 %.

Was bedeutet das konkret für Dich? Erstens: Der klassische Abwarte-Reflex Deiner Käuferkunden — "wir warten noch auf sinkende Zinsen" — ist aktuell schwer zu rechtfertigen. Eine nennenswerte Zinssenkung ist nicht in Sicht, und geopolitische Schocks können die Konditionen kurzfristig noch weiter in Richtung 4 % schieben. Zweitens: 10-jährige Zinsbindungen sind momentan der Sicherheitsanker, den Du Kunden empfehlen solltest. Wer jetzt kauft und langfristig fixiert, schützt sich vor Szenarien die durchaus realistisch sind. Das ist Dein Argument gegen das Zögern.


🏠 Markt & Preise

Der Häuserpreisindex stieg im vierten Quartal 2025 um 3,0 % gegenüber dem Vorjahr — das ist der fünfte Quartalsanstieg in Folge und für das Gesamtjahr 2025 der erste Jahresanstieg seit 2022. Die Korrekturphase 2023–2024 ist damit offiziell Geschichte. Für 2026 erwarten Experten eine Fortsetzung mit etwa 3,0 bis 3,1 % jährlichem Wachstum — moderate Normalisierung statt Boom.

Die regionalen Unterschiede sind dabei massiv und genau das, womit Du in der Akquise punkten kannst. München führt mit 7.482 €/m² für Eigentumswohnungen und 5.944 €/m² für Einfamilienhäuser. Berlin liegt bei 5.135 € bzw. 3.941 €/m², Hamburg bei 4.658 € bzw. 3.657 €/m². Über alle Objekttypen hinweg liegt der bundesweite Schnitt für ETW bei 3.520 €/m², für Ein- und Zweifamilienhäuser bei 3.009 €/m².

Auf Quartalsebene zeigen sich aber interessante Verwerfungen: Frankfurt büßte bei ETW-Preisen 1,19 % gegenüber dem Vorquartal ein, Dresden 1,09 %. Dortmund wuchs dagegen um 1,56 %, Köln um 0,29 %, Hannover um 0,21 %. Das ist kein Zufall — die Nachfrage verlagert sich von überteuerten Metropolkernen in Sekundärstädte mit stabiler Beschäftigungsbasis.

Besonders wichtig für Deine Bewertungsgespräche: Objekte mit schlechter Energieeffizienz verlieren je nach Lage 20 bis 30 % an Wert, während Metropolregionen und ihr Umland bei 5–8 % jährlichem Wertzuwachs bleiben. Das Energiethema ist kein Bonus mehr — es ist ein Preisfaktor.


⚖️ Politik & Regulierung

Diese Woche bringt zwei BGH-Urteile auf den Tisch, die für jeden Makler mit Doppeltätigkeit oder digitalem Vertrieb sofortige Praxisrelevanz haben.

BGH I ZR 32/24 (Halbteilungsgrundsatz): Der Bundesgerichtshof hat klargestellt: Wenn Du bei einer Wohnimmobilien-Transaktion mit Verbraucherkäufer beide Seiten vertrittst, muss die Provision exakt hälftig geteilt werden. Keine Ausweichen über Drittauftraggeber-Konstruktionen mehr — auch wenn z. B. der Ehepartner des Verkäufers formal als Auftraggeber auftritt, greift der Verbraucherschutz durch. Jede Abweichung von 50/50 macht den Vertrag nichtig. Null Provision, auch für erbrachte Leistung. Das ist kein akademisches Problem — prüfe jetzt Deine Standardverträge.

BGH I ZR 159/24 (Button-Lösung im Online-Vertrieb): Für alle die Interessenten digital akquirieren und Maklerverträge über Webseiten oder Plattformen abschließen: Bestätigungs-Buttons müssen explizit auf die Zahlungspflicht hinweisen. Formeln wie "Senden" oder "Bestätigen" reichen nicht. Die Formulierung muss unmissverständlich sein — "Zahlungspflichtig beauftragen" oder Ähnliches. Noncompliance kann rückwirkend innerhalb der 3-jährigen Verjährungsfrist zu Provisionrückforderungen führen. Wenn Du Leads über digitale Kanäle gewinnst und Verträge online abschließt: Lass Deine Website und Prozesse jetzt rechtlich prüfen.


📊 Wirtschaft & Konjunktur

Das ifo Geschäftsklimaindex ist im März 2026 von 88,4 auf 86,4 Punkte gefallen — getrieben ausschließlich durch verschlechterte Erwartungen, nicht durch die aktuelle Lage. Der Auslöser: die Eskalation im Nahen Osten und ihre Auswirkungen auf Energiepreise und Inflationserwartungen. Besonders der Bausektor erlebte den steilsten Erwartungseinbruch seit März 2022.

Für Dich als Makler bedeutet das: Die Stimmung unter Investoren und Bauträgern trübt sich ein, auch wenn aktuelle Auftragsbücher noch gefüllt sind. Das verlangsamt Neuentscheidungen — und erklärt, warum viele Deiner Investorenkunden gerade auf Sicht fahren statt zu committen.

Die Inflation in Deutschland lag im Februar 2026 bei 1,9 % — ein leichter Rückgang gegenüber 2,1 % im Januar. Das klingt beruhigend, aber die EZB sieht für das Gesamtjahr 2026 bereits 2,6 % — der Energiepreisschock durch den Nahostkonflikt ist noch nicht vollständig in den Zahlen angekommen. Für Deine Käuferkunden: Das Fenster für stabile Bauzinsen ist begrenzt.


🌱 Energie & Nachhaltigkeit

Zwei Entwicklungen die Du kennen musst, um Deine Kunden richtig beraten zu können.

Neuer Energieausweis ab Mai 2026: Ab dem 29. Mai 2026 gilt EU-weit die neue Skala A bis G für Energieausweise — das bisherige A+ bis H+ System wird abgelöst. Neu ausgestellte Ausweise tragen nur noch die neue Klassifizierung, alte Ausweise bleiben für ihre 10-jährige Laufzeit gültig. Das klingt technisch, hat aber praktische Konsequenzen: Du wirst in Exposés und Kundengesprächen zunehmend beide Systeme parallel erklären müssen. Außerdem gilt die Ausweispflicht jetzt auch für Mietvertragsverlängerungen und nach Sanierungen — mehr Koordinationsaufwand mit Energieberatern.

GEG-Reform und KfW-Zinsen: Die umstrittene 65-%-Erneuerbare-Pflicht soll durch ein gestuftes Quotenmodell ersetzt werden, das erst ab 2029 bei 10 % ansetzt — Technologieoffenheit statt Vorschrift. Für Neubauten mit KfW-Förderung: Effizienzhaus-55-Projekte werden wieder mit 1,0 % effektivem Jahreszins gefördert (10 Jahre Laufzeit, 10 Jahre Zinsbindung), EH40 sogar mit 0,6 %. Gegenüber Marktkonditionen von rund 3,8 % spart das bei einem 350.000-€-Kredit rund 660 € monatlich. Das sind Zahlen, mit denen Du Investorengespräche führen kannst.


🏗️ Neubau & Bauwirtschaft

Der Wohnungsbau-Tag am 26. März 2026 hat die Lage auf den Punkt gebracht: Deutschland wird 2026 voraussichtlich unter 200.000 neue Wohnungen fertigstellen — weniger als die Hälfte des politischen Ziels von 400.000 Einheiten. Das ist kein neues Problem, aber die Konsequenzen werden jetzt spürbarer.

Für Makler ist das Doppel-Signal: Weniger Neubau bedeutet anhaltenden Druck auf den Bestand und weiter steigende Mieten und Kaufpreise in Nachfrageregionen. Gleichzeitig entstehen kaum neue Objekte in Deiner Pipeline. Das Transaktionsvolumen bleibt strukturell gedämpft — nicht weil die Nachfrage fehlt, sondern weil das Angebot nicht existiert.

Hinzu kommen dramatische Insolvenzzahlen: 2025 wurden 24.064 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland gezählt — der höchste Wert seit über einem Jahrzehnt, davon führt die Baubranche mit 104 Fällen je 10.000

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