Immobilienmakler-News der Woche | 24.–30. Juni 2026
Die letzte Juniwoche 2026 war keine ruhige Woche vor der Sommerpause — sie war eine Zäsur. Mit dem Stichtag 30. Juni greifen neue energetische Pflichten für Heizungen in Großstädten, am 1. Juli tritt eine der umfangreichsten Mietrechtsreformen der letzten Jahre in Kraft, und gleichzeitig zeigen Marktdaten eine vorsichtige aber reale Erholung bei Preisen und Transaktionen. Für Dich als Makler bedeutet das: Mehr Komplexität im Kundengespräch, aber auch mehr Argumente — wenn Du weißt, wie Du sie einsetzt. Hier ist, was diese Woche wirklich wichtig war.
🏦 Zinsen & Finanzierung
Bauzinsen für zehnjährige Darlehen liegen Ende Juni 2026 bei rund 3,65 Prozent (Topkondition, laut Baufi24) — eingebettet in einen Marktkorridor zwischen 3 und 4 Prozent, je nach Bonität, Beleihungsauslauf und Objekt. Gegenüber Jahresbeginn bedeutet das eine leicht erhöhte Belastung, die vor allem dem Zinssprung im März geschuldet ist, als die Eskalation des Iran-Konflikts die Märkte nervös machte. Seitdem: Seitwärtsbewegung auf erhöhtem Niveau.
Im Hintergrund hat die EZB am 11. Juni die Leitzinsen erneut um 25 Basispunkte angehoben — der Hauptrefinanzierungssatz liegt nun bei 2,40 Prozent. Die Begründung: Die Inflation soll mittelfristig auf 2 Prozent gedrückt werden, die EZB-eigene Projektion sieht für 2026 noch 3,0 Prozent Gesamtinflation.
Was bedeutet das für Dein Tagesgeschäft? Konkret: Bei einem 400.000-Euro-Darlehen mit 3,65 Prozent Sollzins und 2 Prozent Tilgung zahlt ein Käufer rund 1.883 Euro monatlich — das ist planbar, aber spürbar mehr als in der Niedrigzinsphase. Die gute Nachricht: Die Zinsen verharren stabil, ein weiterer Schock nach oben ist kurzfristig nicht das Basisszenario. Das ist Dein Argument gegenüber Abwartenden: Wer auf 2 Prozent Zinsen hofft, wartet vermutlich vergeblich — und riskiert dabei, dass attraktive Objekte weggehen oder Preise in begehrten Lagen weiter steigen.
Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf die Realzinsrechnung: Bei 3,65 Prozent Nominalzins und einer Inflation, die sich Richtung 2 Prozent bewegt, liegt der Realzins bei etwa 1,5 bis 1,7 Prozent — historisch betrachtet ein moderater Wert. Für Investoren, die Du beräts, ist das ein belastbares Argument für die Attraktivität von Sachwerten.
🏠 Markt & Preise
Der Immobilienpreisindex des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) zeigt für Q1 2026 ein bundesweites Preisplus von +2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wohnimmobilien führen mit +2,3 Prozent, Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen sogar mit +2,5 Prozent. In den Top-7-Städten legte der Wohnimmobilienmarkt durchschnittlich um 3,6 Prozent zu — die Metropolen behalten ihre strukturelle Zugkraft.
Regional besonders stark: Bayern, wo das Transaktionsvolumen im ersten Quartal auf 14,5 Milliarden Euro stieg — ein Plus von 7,4 Prozent gegenüber Q1 2025. Bundesweit wurden im ersten Quartal Immobilientransaktionen im Wert von 74,9 Milliarden Euro registriert (+6,7 Prozent). Auf dem institutionellen Investmentmarkt sind rund 6,9 Milliarden Euro umgesetzt worden — 16 Prozent mehr als im Vorjahr, mit erstmals seit 2022 wieder über 300 Deals im Quartal.
Was heißt das für Deine Arbeit? Die Phase der sinkenden Preise ist vorbei — das ist die Kernbotschaft, die Du Eigentümern jetzt glaubwürdig kommunizieren kannst. Verkäufer, die 2023 oder 2024 abgewartet haben, sehen jetzt reale Erholung. Gleichzeitig ist Differenzierung entscheidend: Energetisch gut aufgestellte Objekte in gefragten Lagen ziehen Preisaufschläge, Bestände mit alten Heizanlagen und schlechtem Energieausweis geraten zunehmend unter Druck. Wer als Makler jetzt in Preisverhandlungen zieht, sollte genau wissen, in welchem der beiden Lager das jeweilige Objekt sitzt — und entsprechend argumentieren. Total-Cost-of-Ownership statt nackter Kaufpreis ist der richtige Rahmen: Was kostet das Objekt über zehn Jahre wirklich, inklusive Energie, Förderung und Finanzierung?
⚖️ Politik & Regulierung
Hier war diese Woche besonders viel Bewegung — in zwei sehr praxisrelevanten Bereichen:
Mietrechtsreform zum 1. Juli 2026: Ab morgen gelten neue Regeln. Die wichtigsten Punkte kompakt:
- Indexmieten gedeckelt: Steigerung maximal 3,5 Prozent pro Jahr, unabhängig von der tatsächlichen Inflation.
- Möblierungszuschläge reguliert: Maximal 5 Prozent der Nettokaltmiete oder realer Zeitwert der Möbel — Ausweis im Vertrag ist Pflicht, keine Pauschalmieten mehr.
- Kurzzeitvermietungen erheblich erschwert: Mietverträge unter sechs Monaten müssen aufwendig begründet werden; bei Laufzeit unter sechs Monaten gilt künftig gesetzlich die Vermutung eines regulären Wohnmietverhältnisses — mit Mietpreisbremse.
- Mietpreisbremse verlängert bis Ende 2029.
- Modernisierungsumlage vereinfacht: Kosten bis 20.000 Euro pro Wohnung können über ein vereinfachtes Verfahren umgelegt werden, Kappungsgrenze bei 2 Euro/m² in sechs Jahren.
Für Dich als Makler bedeutet das: Das Geschäftsmodell „hochpreisige möblierte Business-Apartments zur Mietpreisbrems-Umgehung" ist faktisch tot. Wer Vermieter in diesem Segment betreut, muss jetzt aktiv auf die Konsequenzen hinweisen und Alternativen entwickeln. Musterverträge müssen bis heute auf die neuen Anforderungen angepasst sein — wenn das noch nicht passiert ist, ist Eile geboten.
BGH-Verhandlung zum Halbteilungsgrundsatz (I ZR 111/25): Der Bundesgerichtshof hat am 21. Mai über die Reichweite des Halbteilungsgrundsatzes bei Einfamilienhäusern verhandelt. Das Ergebnis liegt noch nicht vollständig vor, aber allein die Verhandlung ist Signal genug: Kreative Provisionsmodelle, die faktisch eine Partei entlasten, können das gesamte Provisionskonstrukt zu Fall bringen. Prüfe Deine Vertragsgestaltung — Transparenz schützt Dich.
📊 Wirtschaft & Konjunktur
Die vorläufige Inflationsrate für Juni 2026 liegt bei +2,3 Prozent — nach 2,6 Prozent im Mai und 2,9 Prozent im April ein klarer Abwärtstrend. Das klingt technisch, hat aber direkte Auswirkungen auf Deinen Markt.
Denn sinkende Inflation bedeutet: Die reale Kaufkraft der Haushalte erholt sich langsam. Eigenkapitalbildung wird einfacher. Langfristige Finanzierungskalkulationen werden verlässlicher. Für Indexmietverträge bedeutet es, dass die gesetzliche 3,5-Prozent-Deckelung ohnehin kaum beißen dürfte — der Markt hat die Deckelung gerade eingeholt.
Gleichzeitig: Insolvenzahlen steigen. Im März 2026 wurden 2.308 Unternehmensinsolvenzen registriert — +15,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Quartal insgesamt 6.275 Unternehmensinsolvenzen. Bei Verbrauchern: 7.462 Verbraucherinsolvenzen allein im März — +18,9 Prozent. Das bedeutet: Trotz der Marktbelebung bleibt ein erheblicher Teil Deiner potenziellen Kunden finanziell unter Druck. Mietausfälle, vorzeitige Verkäufe, notleidende Portfolios — das sind Szenarien, auf die Du vorbereitet sein solltest. Gleichzeitig entstehen hier Chancen: Insolvenzverkäufe, wie die spektakuläre Veräußerung der Alten Akademie aus der Signa-Insolvenz gezeigt hat, können attraktive Einstiegspunkte für Käufer sein.
🌱 Energie & Nachhaltigkeit
Diese Woche war energiepolitisch die wichtigste Woche des Jahres — möglicherweise des Jahrzehnts für den Immobilienmarkt.
Ab 30. Juni 2026 gilt in Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern: Neu eingebaute Heizungen müssen mindestens 65 Prozent der Heizenergie aus erneuerbaren Quellen beziehen. Öl- und Gasheizungen ohne diesen Anteil sind in Großstädten beim Neueinbau faktisch unzulässig, außer in engen Ausnahmefällen (genehmigter Wasserstoff-Fahrplan, Wärmenetzzusage). In Städten unter 100.000 Einwohnern gilt die Pflicht ab 30. Juni 2028.
Was das für Deine Objektbewertung bedeutet: Heizsysteme sind ab sofort ein erster-Ordnung-Wertfaktor. Ein Bestandsgebäude mit alter Ölheizung in Frankfurt oder Hamburg ist für einen Käufer heute ein anderes Objekt als noch vor einem Jahr — weil der Nachrüstaufwand planbar und gesetzlich vorprogrammiert ist.